Das Exposé lügt nie

Politiker lügen.
Die Werbung lügt.
Aber das Exposé lügt nie. Ehrlich.

Ein Exposé ist im Autorenleben ein kurzer Text, der dem Verlag oder der Agentur auf drei bis vier Seiten das Projekt vorstellt. Als ich mein erstes Roman-Exposé schreiben musste, stand in dem Ganzen einigermaßen ratlos gegenüber.
Dabei ist es eigentlich recht einfach – und sehr nützlich.

Im Exposé steht, um was für ein Buch es sich handelt und ggf., wer die Zielgruppe ist (Thriller? Frauenroman? Jugendbuch? Ab 12? Ab 14?). Außerdem erfährt der Verlag, wie lang das Buch wird und wann es vom Autor aus fertiggestellt werden kann (wenn das noch nicht geschehen ist).

Und dann natürlich – das Wichtigste – die Inhaltsangabe und in der Regel ein kurzer Pitch, eine Art Klappentext für das Buch.

Für viele Autoren ist das Schreiben von Exposés eine eher lästige Pflicht. Wir wollen schließlich einfach unsere Geschichte erzählen.

Aber das wirklich Coole am Exposé ist, dass geübte Autoren, Lektoren, Agenten* schon am Exposé sehen, wo die Geschichte möglicherweise hakt**.
Wo das Exposé schwammig ist, bleibt in der Regel die Geschichte unklar und schwach.

Im Exposé erkennen Profis außerdem, welche Figuren noch keine klaren Motive haben und welche Figuren und Szenen überflüssigen Ballast darstellen und dadurch die Geschichte verwässern.
Das Exposé lügt nie, sagt meine Freundin Jennifer dazu.

Bei diesem Buch zwingen mich keine äußeren Umstände dazu, ein Exposé zu schreiben. Es gibt keinen Verlag, dem ich das Projekt vorhabe zu verkaufen. (Wie gesagt: Es sei denn, einer reißt es mir sowas von begeistert aus der Hand, dass ich gar nicht anders kann, als es herzugeben.)
Aber wenn ich das hier ernst nehmen will, muss ich es genauso professionell angehen, als würde ich ein Buch für einen Verlag planen.

Ich habe also für Leo ein Exposé geschrieben. (Was ich euch natürlich nicht zeigen kann, das wäre ja Spielverderberei.) Ob die Geschichte sich dann doch beim Schreiben anders entwickelt, sei dahingestellt, das passiert auch sonst mal. Vielleicht passt das Ende nicht (der gemeine Gegenspieler soll doch lieber auswandern als unters Auto kommen) oder im Laufe der Geschichte taucht plötzlich ein Charakter auf, mit dem man vorher nicht gerechnet hat.

Aber ein paar Eckdaten kann ich euch durchaus zeigen.

Arbeitstitel
Arbeitstitel gibt es derzeit keinen vernünftigen (den ich öffentlich schon diskutieren würde), für mich selbst nenne ich das Buch „Leo“ oder „die Leo-Geschichte“.
Wenn meine Agentin den Verlagen ein Buch anbietet, bekommt es einen Titel. Dieser heißt deswegen „Arbeitstitel“, weil er so gut wie nie übernommen wird. Marketing-Abteilung, Buchhandelsvertreter, Lektorat – in großen Verlagen brainstormen viele Menschen über den perfekten Titel.
Bei Leo muss ich das beizeiten selbst mit Kolleginnen – und vielleicht auch mit euch – tun.
Hat den großen Vorteil, dass ich selbst das letzte Wort haben werde.
Hat den großen Nachteil, dass dieses letzte Wort falsch sein kann und niemand anders verantwortlich sein wird als ich.

Genre
Dann kommt bei meinen Exposés in der Regel das Genre. In diesem Fall ist es ein realistisches Jugendbuch.
Beim Verlag wäre es ab 14. Nicht, weil ich glaube, dass es ab 14 geeignet ist, sondern weil es nur noch wenige Verlage in Deutschland gibt, die Bücher für „junge Erwachsene“ machen: Young Adult, zum Teil auch “Junge Leser” genannt.
Wenn es nach mir ginge, wäre Leo ab 16.
Moment mal… Es geht nach mir! Ich bin meine Marketingabteilung.
Also. Realistisches Jugendbuch. Young Adult.

Umfang
Und dann muss noch rein, wie lang das Buch werden soll. Ich peile mal 300 Seiten an. Das ist für die Handlung, die mir vorschwebt, ganz realistisch, ohne dass es schwafelig oder zu gehetzt wird. Die Erfahrung zeigt, dass ich im ersten Durchlauf bei schwierigen Szenen schludere. Also lege ich auf die 300 nochmal 50 drauf, die beim Überarbeiten dazu kommen.

Fertigstellungstermin
Fertig soll das Buch im November sein.

Wird es, sofern ich nicht einen superdringenden anderen Schreibauftrag bekomme.
Muss es, weil ich mich ab November in der Regel zusammenrolle und über das schreckliche graue Novemberwetter heule. In meinem Zeitplan werde ich also von Ende November aus zurückrechnen, was wann dran ist.

Und Ihr könnt euch schonmal vormerken, dass Ihr im Oktober oder November über das Cover abstimmen dürft. Mit Gewinnspiel natürlich. 🙂

Kurztext
Leos Kurztext ist im Wesentlichen der, mit dem ich euch das Projekt ganz am Anfang vorgestellt habe. Und die Inhaltsangabe verrate ich natürlich nicht.

Susanne Pavlovic hat ein schönes Video zum Thema “Wie schreibe ich ein Exposé?” gedreht.

* nur für den Sprachrhythmus nutze ich die männliche Form. De facto sind es viel häufiger Autorinnen, Lektorinnen und Agentinnen, mit denen ich zu tun habe als die männlichen Pendants dazu

** Sachbuch-Exposés sind ein bisschen anders, hier geht es um fiktionale Texte

1 thought on “Das Exposé lügt nie”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

4 + 8 =