Ich hab Angst!

Nachdem ich vor – Schluck! – zwölf Jahren Geborgene Babys geschrieben hatte, plante ich diverse Nachfolgebücher. Ich sammelte Stoff, ordnerweise, ich schrieb Gliederungen, ich entwarf und verwarf. Ich hatte sogar das Cover von Geborgene Kinder schon in der Rohfassung fertig. Und kam nie zum Schreiben.

Weil ich ein kleines Kind hatte. Weil ich irgendwann umzog. Weil ich mir meinen kleinen Verlag ans Bein (bzw. den Schreibarm) gehängt hatte. Irgendwas ist ja immer.

In Wirklichkeit hatte ich vermutlich einfach nur Angst vor dem nächsten Buch.
Geborgene Babys ist für ein selbst verlegtes Buch ohne jegliches Werbebudget geradezu irrsinnig gut gelaufen. Was, wenn das zweite dagegen schwächelt?

Das Gute ist: wenn sie wichtig sind, gehen Gedanken ja nicht verloren.

Vieles von dem, was für Geborgene Kinder angedacht war, hat jetzt in Slow Family Eingang gefunden.

Weil ich also das zweite Buch längst geschrieben habe, dachte ich, ich würde nun verschont bleiben von der klassischen Angst vor dem Zweiten.
Nach Dunkle Wolken (AT), meinem erstgeborenen Roman, dachte ich, ich würde nie, nie wieder meine Figuren so lieben können wie ich Elin und Nicholas geliebt habe. Nie wieder würden sie bei mir auf dem Sofa sitzen und mit mir Tee trinken.

Und dann tauchten Lia, Malin, Finn und Silvan auf, und der Einstieg in den zweiten Roman war plötzlich gar nicht mehr schwierig. Vielleicht, weil ich gerade eine Praktikantin hatte, als wir uns kennenlernten, die alle vier von ihrem ersten virtuellen Atemzug an so liebte, als wären es ihre eigenen Geschöpfe.
Und je mehr wir einander kennenlernten, desto mehr hingen sie auch mal bei mir in der Küche ab und erzählten mir von ihrem Tag. Aber auch unter dieses Buch habe ich inzwischen ENDE geschrieben.

Und jetzt, beim dritten, hab ich Angst.
Nackte, doofe Angst.
Was, wenn mir bei Leo niemand mehr sagt “Wie? Das ist dein erster Roman?”
Was, wenn Leo gegenüber Dunkle Wolken schwächelt?
Was ist, wenn Leo einfach ein blödes Buch wird?
Dann wird es halt blöd. So what?
Es wäre nicht das erste blöde Buch, das je geschrieben wurde. Dann muss ich eben überarbeiten, bis es gut wird. Oder es eine Weile liegen lassen und dann überarbeiten, bis es gut wird.

Aber was ist, wenn ich es gut finde und meine Lektorin es gut findet und die Testleser auch – und Ihr es dann aber für das bescheuertste Buch unter der Sonne haltet?
Ganz ehrlich, das wäre zwar unschön, aber auch das würde mich ja nicht an Leib und Leben bedrohen. Ich würde es nicht mal merken, wenn Ihr mir nicht gerade einen Stern bei Amazon reindrückt oder mir wütende Mails schreibt.
Es gibt schließlich auch Bücher, die ich für die bescheuertsten Bücher unter der Sonne halte, und die Autoren merken da nicht mal was davon.
Es gibt sachlich überhaupt gar keinen Grund für Angst.

Ich mache jetzt mal einen Zeitplan.
Davor fürchtet sich die Angst dann gleich selbst so sehr, dass sie verschwindet, und Leo und ich können loslegen, sobald hier noch der eine oder andere wartende Kleinkram abgearbeitet ist.

(Bild von: http://latoshalove.blogspot.hr)

Das Exposé lügt nie

Politiker lügen.
Die Werbung lügt.
Aber das Exposé lügt nie. Ehrlich.

Ein Exposé ist im Autorenleben ein kurzer Text, der dem Verlag oder der Agentur auf drei bis vier Seiten das Projekt vorstellt. Als ich mein erstes Roman-Exposé schreiben musste, stand in dem Ganzen einigermaßen ratlos gegenüber.
Dabei ist es eigentlich recht einfach – und sehr nützlich.

Im Exposé steht, um was für ein Buch es sich handelt und ggf., wer die Zielgruppe ist (Thriller? Frauenroman? Jugendbuch? Ab 12? Ab 14?). Außerdem erfährt der Verlag, wie lang das Buch wird und wann es vom Autor aus fertiggestellt werden kann (wenn das noch nicht geschehen ist).

Und dann natürlich – das Wichtigste – die Inhaltsangabe und in der Regel ein kurzer Pitch, eine Art Klappentext für das Buch.

Für viele Autoren ist das Schreiben von Exposés eine eher lästige Pflicht. Wir wollen schließlich einfach unsere Geschichte erzählen.

Aber das wirklich Coole am Exposé ist, dass geübte Autoren, Lektoren, Agenten* schon am Exposé sehen, wo die Geschichte möglicherweise hakt**.
Wo das Exposé schwammig ist, bleibt in der Regel die Geschichte unklar und schwach.

Im Exposé erkennen Profis außerdem, welche Figuren noch keine klaren Motive haben und welche Figuren und Szenen überflüssigen Ballast darstellen und dadurch die Geschichte verwässern.
Das Exposé lügt nie, sagt meine Freundin Jennifer dazu.

Bei diesem Buch zwingen mich keine äußeren Umstände dazu, ein Exposé zu schreiben. Es gibt keinen Verlag, dem ich das Projekt vorhabe zu verkaufen. (Wie gesagt: Es sei denn, einer reißt es mir sowas von begeistert aus der Hand, dass ich gar nicht anders kann, als es herzugeben.)
Aber wenn ich das hier ernst nehmen will, muss ich es genauso professionell angehen, als würde ich ein Buch für einen Verlag planen.

Ich habe also für Leo ein Exposé geschrieben. (Was ich euch natürlich nicht zeigen kann, das wäre ja Spielverderberei.) Ob die Geschichte sich dann doch beim Schreiben anders entwickelt, sei dahingestellt, das passiert auch sonst mal. Vielleicht passt das Ende nicht (der gemeine Gegenspieler soll doch lieber auswandern als unters Auto kommen) oder im Laufe der Geschichte taucht plötzlich ein Charakter auf, mit dem man vorher nicht gerechnet hat.

Aber ein paar Eckdaten kann ich euch durchaus zeigen.

Arbeitstitel
Arbeitstitel gibt es derzeit keinen vernünftigen (den ich öffentlich schon diskutieren würde), für mich selbst nenne ich das Buch „Leo“ oder „die Leo-Geschichte“.
Wenn meine Agentin den Verlagen ein Buch anbietet, bekommt es einen Titel. Dieser heißt deswegen „Arbeitstitel“, weil er so gut wie nie übernommen wird. Marketing-Abteilung, Buchhandelsvertreter, Lektorat – in großen Verlagen brainstormen viele Menschen über den perfekten Titel.
Bei Leo muss ich das beizeiten selbst mit Kolleginnen – und vielleicht auch mit euch – tun.
Hat den großen Vorteil, dass ich selbst das letzte Wort haben werde.
Hat den großen Nachteil, dass dieses letzte Wort falsch sein kann und niemand anders verantwortlich sein wird als ich.

Genre
Dann kommt bei meinen Exposés in der Regel das Genre. In diesem Fall ist es ein realistisches Jugendbuch.
Beim Verlag wäre es ab 14. Nicht, weil ich glaube, dass es ab 14 geeignet ist, sondern weil es nur noch wenige Verlage in Deutschland gibt, die Bücher für „junge Erwachsene“ machen: Young Adult, zum Teil auch “Junge Leser” genannt.
Wenn es nach mir ginge, wäre Leo ab 16.
Moment mal… Es geht nach mir! Ich bin meine Marketingabteilung.
Also. Realistisches Jugendbuch. Young Adult.

Umfang
Und dann muss noch rein, wie lang das Buch werden soll. Ich peile mal 300 Seiten an. Das ist für die Handlung, die mir vorschwebt, ganz realistisch, ohne dass es schwafelig oder zu gehetzt wird. Die Erfahrung zeigt, dass ich im ersten Durchlauf bei schwierigen Szenen schludere. Also lege ich auf die 300 nochmal 50 drauf, die beim Überarbeiten dazu kommen.

Fertigstellungstermin
Fertig soll das Buch im November sein.

Wird es, sofern ich nicht einen superdringenden anderen Schreibauftrag bekomme.
Muss es, weil ich mich ab November in der Regel zusammenrolle und über das schreckliche graue Novemberwetter heule. In meinem Zeitplan werde ich also von Ende November aus zurückrechnen, was wann dran ist.

Und Ihr könnt euch schonmal vormerken, dass Ihr im Oktober oder November über das Cover abstimmen dürft. Mit Gewinnspiel natürlich. 🙂

Kurztext
Leos Kurztext ist im Wesentlichen der, mit dem ich euch das Projekt ganz am Anfang vorgestellt habe. Und die Inhaltsangabe verrate ich natürlich nicht.

Susanne Pavlovic hat ein schönes Video zum Thema “Wie schreibe ich ein Exposé?” gedreht.

* nur für den Sprachrhythmus nutze ich die männliche Form. De facto sind es viel häufiger Autorinnen, Lektorinnen und Agentinnen, mit denen ich zu tun habe als die männlichen Pendants dazu

** Sachbuch-Exposés sind ein bisschen anders, hier geht es um fiktionale Texte

Das Huhn und das Ei

Was war zuerst?
Ist die Frage nach dem Huhn und dem Ei eigentlich abschließend beantwortet? Ich glaube, ja, oder?
Ich meine, ich hätte neulich irgendwo gelesen, dass erst das Ei da war – macht evolutionsbiologisch ja auch Sinn.

Aber wie ist es bei Romanen? Was ist da zuerst da? Die Figuren? Die Geschichte? Oder vielleicht nur eine Situation?
Oft ist es ein “Was wäre, wenn”. Was wäre, wenn – mein Sohn wartet immer noch darauf, dass ich dieses Buch endlich schreibe – wir den Mars kolonisiert hätten und sich dann herausstellte, dass es dort längst Leben gab? Was wäre, wenn niemand je sterben würde? Was wäre, wenn …

Geschichten können sich auch aus einer Situation heraus entfalten. Bei meinem Erstling war das so. “Start with a man at the end of a cliff”, hatte ich in einem Vortrag gehört, also tat ich das. Ich setzte einen Jungen an den Rand einer Klippe, und dann fragte ich mich, wie er dort hingekommen war, und daraus entwickelte sich die Geschichte.

Der Auslöser für den zweiten Roman war ein “Was wäre, wenn”. Ich hatte vor einiger Zeit die Bücher des Wildnislehrers Tom Brown gelesen, und ich fragte mich, wie es wohl wäre, wenn jemand, der so ganz anders aufgewachsen ist, plötzlich in eine normale norddeutsche Schule kommt. Natürlich schnörkelte die Geschichte sich dann auch woanders hin, aber das war der Anfang.

Und jetzt Leo.
Bei Leo war zuerst die Figur da, Leo, das nette, nachdenkliche, musisch begabte (und vielleicht auch ein bisschen langweilige) Mädchen. Und irgendwie kam mit ihr gleichzeitig die Geschichte: Leo trifft auf ihr genaues Gegenteil. Der Typ ist wenig nett, nicht besonders nachdenklich – aber auch ganz bestimmt nicht langweilig.
Diese Geschichte (nettes Mädchen trifft Badboy) wurde im Laufe der menschlichen Erinnerung vermutlich zehntausendmal und öfter erzählt, sie ist alles andere als neu.
Aber sie passiert auch einfach immer wieder. Leos Plot habe ich zusammengebaut aus vielen Geschichten aus dem echten Leben, die echte Mädchen genau so erlebt haben.

Das heißt, bei Leo ist eigentlich alles von Anfang an da. Inklusive der Figuren, die schon alles ausdiskutieren, bevor auch nur eine Seite geschrieben ist.
Derzeit ist es Leos beste Freundin, die mir in den Ohren liegt: “Janne finde ich nicht so schön. Ich würde gern Sina heißen.”
Ich sage: “Okay. Meinetwegen. Aber häng das bitte nicht an die große Glocke. Ich will jetzt echt nicht über jeden Pipifax diskutieren müssen, sonst kommen wir hier zu nix.” Sina also. Ziemlich nah an Kimo dran, finde ich. Vielleicht kann ich da nochmal mit ihr drüber reden.

Plot 101
Weil ich bei Leo ja die Geschichte und die Figuren im Wesentlichen im Kopf habe, sollte es auch kein Problem sein, alles auf die Plotwand zu bringen. Die sieht bei mir so aus:

plot4Oben kleben derzeit noch die Post-its der letzten Geschichte, einfach, weil es fürs Foto wichtiger aussah.
Die Plotwand ist aufgeteilt in Akt I, Akt II und Akt III mit den entsprechenden Wendepunkten dazwischen. Ich nehme mir als ersten Arbeitsschritt jetzt einfach bunte Post-its und klebe die Szenen, die ich von der Geschichte kenne, auf die Plotwand:
Leo zieht in die große Stadt – zack, ganz an den Anfang.
Wenn mir noch was einfällt, was davor muss, kann ich ja umkleben.
Leo trifft den LI (Love Interest) – auch irgendwo an den Anfang, klar.
Leo entdeckt etwas Entscheidendes – Wendepunkt I
Und so weiter.

Das ist im Prinzip alles, was ich am Anfang für den Plot brauche. Ich weiß von Kollegen, die 80-seitige Inhaltsangaben schreiben, aber ich mag es gern, beim Schreiben ab und zu überrascht zu werden. Auch wenn es anstrengend sein kann, die Figuren dann wieder auf den “richtigen Pfad” zu führen und daran zu erinnern, dass sie sich doch bitte jetzt mal langsam küssen sollten.
Ich schätze, das wird bei dieser Geschichte mit diesen von Anfang an renitenten Figuren ganz besonders interessant.

Übrigens: Leo hat einen ersten Satz!

Sie mischen sich jetzt schon ein!

Es geht jetzt schon los!
Dass Charaktere mit mir diskutieren, wie eine Geschichte zu laufen hat, kommt vor. Das kennt jeder Autor, jede Autorin. Auf einmal weigert sich eine Figur, in eine Falle zu gehen, die man so sorgsam aufgebaut oder den Typ zu küssen, den man so wunderbar liebenswert angelegt hat. Kommt vor.

Aber dass das schon losgeht, bevor die Geschichte auch nur geplottet ist, ist mir noch nicht passiert.
Gestern – ich sagte ja, mein Gehirn arbeitet auch am Wochenende an sowas weiter, während ich Honig schleudere oder mit dem Hund gehe oder Wäsche aufhänge – gestern also dachte ich über die Figurenkonstellation und die Namen in meinem neuen Buch nach.
Leo hat selbstverständlich eine beste Freundin. Heldinnen brauchen beste Freundinnen. Diese beste Freundin hat einen netten Freund, Timo.
Dachte ich.
Bis er sich in den Türrahmen zum Wohnzimmer lehnte (ich hängte gerade die Wäsche auf), die Arme verschränkte und sagte: “Du hast das falsch verstanden. Ich heiße nicht Timo. Ich heiße Kimo. Mit K. Und ich bin auch nicht Jannes Freund.”
Ich atmete tief durch, schlug das Geschirrtuch glatt und fragte, was er denn wohl so vorhabe in der Geschichte.

Er war sehr klar in seinen Forderungen.
Ich muss darüber nachdenken.
Wenn ich ihm das gebe, was er will, wäre das ungefähr so, als würde ich … als würde ich dem kleinsten Weihnachtsengelchen aus der hintersten Reihe versprechen, dass es dieses Jahr die Geschenke verteilen darf. Für Timo – sorry, Kimo. Mit K. – waren bisher in meinem Kopf so ungefähr zwei Auftritte angedacht. Mit insgesamt vielleicht zwanzig Wörtern.

Na, das kann ja heiter werden. Wenn die jetzt schon als Figuren-Babys eigene Wege gehen wollen, dann prost Mahlzeit.

Dabei ist der Plan eigentlich ein anderer. Normalerweise fange ich langsam an, Figuren kennenzulernen. Mit ein bisschen hilflosem Gekritzel mit vielen Fragezeichen, das ungefähr so aussieht:

figuren1
Dann schreibe ich etwa 100 Seiten, die für die Tonne sind, weil ich die Figuren noch nicht richtig kenne.
Und dann kann es losgehen.
Bis sie mit mir am Küchentisch sitzen und Kaffee trinken, dauert es in der Regel sehr lange. Und bis sie so real werden, dass ich meinen Mann ernsthaft bitte, meine Grüße auszurichten, wenn er nach Kalifornien fährt, weil Nicholas doch dort wohnt, dauert es noch länger.

Dass dieser Kimo jetzt hier rumhängt und jedes Wort kritisch beäugt, bevor ich auch nur einen einzigen Satz geschrieben habe, macht es schon interessant.

(Nächstes Mal schreibe ich den Post, den ich dieses Mal schreiben wollte, über Zeitpläne, Plotpläne, Figurenpläne und derlei mehr. Falls sich nicht wieder jemand vordrängelt.)

Es geht los

Auf meinem Schreibtisch ist derzeit durchaus noch kein Mangel an Projekten, die vor Leo da waren und die entsprechend auch vorher bearbeitet werden: die Überarbeitung eines anderen Romans (Oh Gott, diese Szene, wo sie sich küssen! Ich wünschte, Ihr könntet das schon lesen…), die Leseprobe für ein neues Sachbuch, das Lektorat für eine Freundin, und dann noch der Papierkram, der sich immer so ansammelt.

Aber das heißt nicht, dass Leo warten muss, denn zum Glück habe ich mein Gehirn.
Bevor ich mich in eine Geschichte wirklich vertiefe, lasse ich es immer gern schonmal das Grobe erledigen.

tatze

Ich gehöre zu den Leuten, die gehen müssen, um zu denken, und mein Lieblingshund erinnert mich immer wieder freundlich daran, das zu tun… Während wir also gehen, lasse ich mir Leos Geschichte durch den Kopf wandern, überlege hier, zuppele dort ein bisschen… Und sobald ich nach Hause komme, schnappe ich mir meinen Rechner oder mein Notizbuch (manchmal nehme ich es auch tatsächlich mit) und schreibe alles unsortiert auf, inklusive ungelöster Fragen und kluger Zwischenrufe meines Hirns. Das sieht dann ungefähr so aus wie auf dem Bild oben, und es ist ein ziemlich sozial unverträgliches Unterfangen. (“Warte, ich kann gerade nicht, ich muss eben was aufschreiben.”)

In Leos Fall umfasst dieses grobe Gerüst im Augenblick drei Normseiten. Es dient meinem Gehirn dazu, sich weiter daran entlangzuhangeln, zu arbeiten und zu strukturieren, während ich andere Dinge tue. Und wenn wir uns das nächste Mal zusammensetzen, präsentiert es mir die Ergebnisse – und die Fragen, die es noch hat.
Sowas wie: Was ist eigentlich Leos Ziel? Wie hört das Buch überhaupt auf? Findest du den Schluss, wie er derzeit angedacht ist, wirklich befriedigend? Und diese saucoole Szene mit dem Gerüst, passiert die vor oder nach dem Midpoint? Und, mal echt, diese eine sowas von gar nicht jugendfreie Szene – hättest du sowas mit 14 lesen wollen?
Mein Gehirn diskutiert solche Fragen wirklich sehr angeregt mit mir, und ich freue mich schon auf unser erstes offizielles Meeting, sobald ich mit den anderen Aufgaben durch bin.

 

 

 

Leo und ich – und Ihr

Geschichtenplanung

Natürlich geht es bei Leos Geschichte zu allererst einmal um die Geschichte.
Klar, ich könnte einfach anfangen, ein bisschen losschreiben, sehen, was passiert, wo die Charaktere mich hinführen und hoffen, dass was Lesbares draus wird.

Über die Jahre habe ich allerdings festgestellt, dass Stephen King das können mag – ich kann es nicht. Sämtliche Geschichten, die ich auf diese Weise geschrieben habe, waren entweder nicht länger als 20 Seiten oder sind im Nirvana meiner (damals noch) Schubladen oder Festplatten versickert.
Romane funktionieren bei mir nur, wenn ich sie plane, und zwar von A bis Z. Wie ich die aktuelle Geschichte entwickele, was dabei noch fehlt und was schon ganz gut ist, braucht mindestens fünf andere Posts, und die kommen – versprochen.

Wie kommt das Buch zu euch?

Doch eine Geschichte, selbst, wenn es die beste Geschichte der Welt wäre, ist nichts ohne die Menschen, in deren Köpfen und Herzen sie widerhallt und  lebendig wird.

Das heißt, Ihr – und hoffentlich viele andere Menschen – müssen überhaupt erstmal von der Geschichte wissen und sie finden können unter den 300 Büchern, die in Deutschland jeden Tag neu erscheinen.

Und auch das muss ich von Anfang an mit planen. Natürlich könnte ich auch hier einfach das (dann irgendwann) Geschriebene auf amazon hochladen und sehen, was passiert. Wahrscheinlich würden etwa fünf Leute mein Buch runterladen, drei würden mich fragen, ob es das auch auf Papier gibt, und das wär’s. Dafür ist es mir zu viel Arbeit.

Ich muss also dafür sorgen, dass das Buch zu euch kommen kann.
Dafür gibt es zwei Wege.

Weg eins
Der eine – ich gebe zu, der von mir durchaus favorisierte – wäre: Meine Agentin liebt die Geschichte, bietet sie begeistert den Verlagen an, drei Lektorinnen verknallen sich auf der Stelle in meine Charaktere, und der Verlag mindestens einer dieser Lektorinnen ist so angetan, dass er das Buch kauft, mir einen Vorschuss zahlt, von dem ich im Urlaub ein Schlauchboot mieten und ein Eis kaufen kann, die Marketingmaschine anlaufen lässt und für das Buch in sämtlichen Thalia-Buchhandlungen den Tisch am Eingang kauft.
Das wäre Variante eins.

Web zwei
Variante eins ist, auch wenn man sprachlich und inhaltlich gute Bücher schreibt, ungefähr so wahrscheinlich wie ein … naja, wie ein Fünfer im Lotto. Deswegen habe ich für dieses Projekt zunächst einmal Weg zwei im Auge. (Krasses Bild übrigens. Stellt euch einen Weg im Auge vor! Autsch.)
Weg zwei ist: Ich mach’s selbst. Alternative Rock mit Geigen auf Independent Papier. Realistisch werde ich mir nicht die Tische an den Eingängen sämtlicher Thalia-Buchhandlungen kaufen können.
Aber ich kann durchaus selbst dafür sorgen, dass ich in einem halben Jahr ein richtig gutes Produkt in der Hand halte. Eins, das auf jeder Ebene mit den – guten 😛 – Verlagstiteln mithalten kann.
Ich kann von Anfang an denken, wie ein Verlag, der Bücher von der ersten Minute an durch die Marketingabteilung mit denken lässt.
In Kürze: Ich kann mein Bestes tun, es entdeckbar zu machen.

Wie wird mein Buch entdeckbar – Schritt 1

Ungeschlagener Meister, wenn es um die Entdeckbarkeit von Indies geht, ist (denkt euch hier ein Zähenknirschen) amazon. amazons Algorithmen favorisieren Selbstverleger, die sich exklusiv an amazon binden. Sonst wäre es, wie Johannes Monse gestern so schön sagte, kaum erklärbar, dass in den eBook-Rankings ein amazon-KDP-Buch aufs nächste folgt. Es ist nämlich leider tatsächlich so, dass es ziemlich viele ziemlich schrottige selbst verlegte Bücher gibt. Das heißt, wenn ich es selbst mache, würde ich das eBook über amazon laufen lassen und die gedruckte Version von Ruckzuckbuch kaufen.
Warum ausgerechnet die, wo es doch inzwischen eine Vielfalt von Print-on-demand-Dienstleistern gibt? Ganz einfach. Weil die Jungs von Ruckzuckbuch damals, als ich noch meinen Miniverlag hatte und recherchierte, wo ich am besten Kleinauflagen drucken konnte, bereits auf Recyclingpapier druckten. Weil sie NETT sind. Weil sie anständig sind. Und weil ich anständige Unternehmen viel lieber unterstütze als fette Fische.
Mit dieser Kombination – eBook über Amazon KDP und Papierbuch über Ruckzuckbuch (super Distribution, mittags bestellt, morgens um neun in der Buchhandlung eurer Wahl) – wäre die logistische Seite perfekt bedient.

Wie wird mein Buch entdeckbar – Schritt 2

Das Buch könnte dann also zu euch kommen. Jetzt müsstet Ihr nur noch wissen, dass es da ist.
Wäre es ein Lokalkrimi, würde ich zu diesem Zeitpunkt einfach alle lokalen und regionalen Buchhandlungen durchtelefonieren.
Hätte es ein besonders exotisches Schwerpunktthema, würde mir auch was einfallen.
Für meinen Erstling zum Beispiel habe ich mir schon ziemlich viele Gedanken über Werbung gemacht. Mein Erstling hat einen Klimawandel-Schwerpunkt. Den könnte ich meinen Nachhaltigskeitsjournalisten-Freunden empfehlen. Ich könnte coole kleine Lesungen auf Sea-Shepherd-Events machen. Ich könnte mit Umweltverbänden kooperieren. Auf Umweltmessen gehen. Schulen mit dem Klimathema versorgen. Ich könnte… Bei meinem Erstling fällt mir dazu Vieles ein. Aber mein Erstling wird, so die Götter wollen, sehr bald ein sehr feiner Verlagstitel, und ich werde all diese guten Ideen mit den Marketingmenschen meines zukünftigen Verlages besprechen. Falls sie sie hören wollen.

Bei Leos Geschichte ist das gezielte Marketing eine andere Sache. Leos Geschichte (nettes Mädchen trifft Badboy) kommt jeden Tag zehntausendfach vor. Und es gibt zehntausend Bücher darüber. Ungefähr.
Natürlich nicht zehntausend von MIR, klar. Außerdem haben von den zehntausend gefühlte neuntausenddreihundert eine für mich ziemlich schräge Message.
Aber dennoch finde ich es für Leo schwieriger, mir Kooperationspartner vorzustellen als für den Erstling. Pink Stinks vielleicht. Und, klar, die Schulen. Schulen sind immer gut. Als Selfpublisher kommt man nur in die Schulen schwer rein. Also brauche ich einen Journalistenfreund, der für die Zeitung der Lehrergewerkschaft schreibt oder so. Ich muss mich umhören unter meinen Journalistenfreunden.
Da es primär ein Mädchenbuch wird, wäre natürlich eine Besprechung in der Mädchen oder Bravo auch cool. Oder – fast besser noch – auf einem der populären Youtube-Kanäle. Nur, wie komm ich da rein? Ich denke, meine innere Marketing-Abteilung muss darüber noch ein bisschen nachdenken.

Aber erstmal geh ich mit dem Hund.
Ich behaupte schon seit einer Stunde, ich würde das tun.